Zionsgemeinde Allendorf (Lumda)

Kindersoldaten

Beim sonst so gesprächigen Frauenkreis der Zionsgemeinde Allendorf Lumda wurde es plötzlich ganz still und es breitete sich eine bedrückte Stimmung im Gemeindesaal aus. Frau Ursula Marre berichtete am vergangen Mittwoch von jugendlichen Asylbewerbern, die Kindersoldaten waren. Die Referentin aus Dortmund ist ehrenamtliche Betreuerin von Jugendlichen aus Afrika. Am Beispiel von Mohammed zeigte sie auf spannende, aber auch sehr erschütternde Weise das Schicksal dieser Menschen. Mohammed wurde im Alter von zehn Jahren von den Rebellen an der Grenze zu Senegal gekidnappt, seine Eltern erschossen und das Kind mit Drogen und anderen Mitteln zum Soldaten gemacht.

Frau Ursula Marre schilderte in ihrem Vortrag, wie die Kinder durch die Kriegshandlungen und die Grausamkeiten psychisch völlig zerstört werden. Sie berichtete über die schrecklichen Leiden ihres „Pflegekindes“ mit Namen
Mohammed aus Guinea: „Ich will im Krieg nicht sterben!“-

Damit begründete der 15-jährige seinen Asylantrag. Die deutschen Behörden kannten seine furchtbare Geschichte nicht und lehnten zunächst ab. Bis heute fällt es Mohammed sehr schwer, über seine traumatischen Erlebnisse und seelischen
Verletzungen zu sprechen.

Alle Asylbewerber unter 16 Jahren kommen in ein Kinderheim und werden gut betreut, alle über 16 Jahren kommen in ein Asylantenheim und sind sich selbst überlassen. Frau Marre unterrichtet Mohammed und andere, denn nur durch den ehrenamtlichen Einsatz können sie unsere Sprache lernen.

Die Referentin berichtet, wie schwer es für Mohammed ist, sich als ehemaliger Soldat in das neue Umfeld zu integrieren. Oft kommen auch viele Jugendliche mit den Gesetzen in Deutschland nicht klar, weil sie es einfach nicht verstehen.
Frau Marre berichtet, wie Mohammed durch ihre Hilfe langsam deutsch sprechen lernte und sich auch einigermaßen dem Umfeld in Deutschland anpasste. Trotzdem ist er für sein Leben gezeichnet, denn niemand kann vergessen,
was für grausame Dinge in seinem Heimatland geschehen waren. Viele von ihnen haben auch schwere Verletzungen, die behandelt werden müssen. Sie haben z.B. körperliche Verletzungen, Hepatitis und psychische Störungen.

Am Anfang des Nachmittags in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche wurde Frau Marre von der Frauenkreisleiterin Renate Forchheim vorgestellt und begrüßt. Ihr Sohn, Pfarrer Matthias Forchheim aus Dortmund, begann mit einer Andacht mit biblischen Aussagen über Krieg und Frieden.

Die Referentin hat über das Leben von Mohammed ein spannendes und erschütterndes Buch geschrieben: „Ein Kindersoldat in Deutschland“. Es ist über das Pfarramt zu erhalten. Außerdem konnten die 40 TeilnehmerInnen Druckschriften der Organisation „terre des hommes“ mitnehmen. Besonders guten Einblick bietet das 50-seitige Heft: „Ehemalige Kindersoldaten als Flüchtlinge in Deutschland“ und vom „UNHCR – Flüchtlingskinder“.

Der Vortrag endete mit Liedern und Gebeten und einer Kollekte für diese wichtige Arbeit.

(Thomas Schulz, Allendorf)