Zionsgemeinde Allendorf (Lumda)

Gesangverein der evang.-luth. Zionsgemeinde
zu Allendorf/Lumda und Klein-Linden (Historischer Rückblick)

Unter diesem Namen schlossen sich 28 zumeist junge Gemeindeglieder
zu einem Verein zusammen. Man schrieb den 27. Februar 1881.

Der neu gegründete „Verein“ gab sich folgende „Statuten“:
§ 1. Zweck des Vereins ist die Pflege des kirchlichen Chorgesanges
innerhalb der genannten Gemeinde.
§ 2. Glieder des Vereins können nur solche Personen werden und bleiben,
die auch Glieder der Gemeinde sind und so lange sie solche bleiben.
§ 3. Beamte des Vereins sind außer dem Dirigenten und Cassirer zwei,
auf zwei Jahre zu wählende Vorstände.
§ 4. Die Übungen des Vereins finden unter Leitung des Dirigenten zu den
von letzterem nach freiem Übereinkommen mit den Vereinsgliedern
angesetzten Stunden, in der Regel Samstags- und Sonntagsabends statt.
§ 5. Die Vereinsglieder sind verpflichtet sich willig und gern in die
vom Verein getroffenen Ordnungen zu fügen, insbesondere in
Verhinderungsfällen genügend zu entschuldigen, und zur Bestreitung der
Unkosten die nothwendigen Beiträge zu entrichten.
§ 6. Mit dem Austritt oder Ausschluss aus dem Verein hört von selber
alles Anrecht an alles von demselben etwa zu erwerbende Eigentum auf,
bei Auflösung des ganzen Vereins fällt dieses der genannten Gemeinde
anheim.
Allendorf/Lumda den 27.Februar 1881

Die Mitglieder des Vereins:
Wilhelm Kraushaar, Melchior Weiß, Friedrich Wißner, Johannes Merkel,
Christine Merkel, Eberhard Stein, Heinrich Merkel, Andreas Schmidt,
Christoph Merkel, Balthasar Stein, Heinrich Wagner, Ludwig Schmidt,
Johannes Rein, Kaspar Römer, Kaspar Conrad, Luise Henß, Helene Weiß,
Elisabeth Weller, Elisa-betha Wagner, Katharina Merkel, Katharina Stein,
Maria Rein, Margaretha Conrad, Christina Fey, Luise Römer,
Anna Katharina Rein, Margarethe Merkel, Katharina Weiß.

Der erste Dirigent des Gesangvereins war Wilhelm Kraushaar.
Kraushaar war schon Dirigent des 1880 gegründeten Posaunenchores
in Allendorf. 1884 war er auch an der Gründung des Posaunenchores
in Steeden beteiligt, dessen erster Dirigent er dann auch wurde.
Den Gesangverein in Allendorf leitete er bis in die 90er Jahre
des 19. Jahrhunderts.

Dann fehlen verlässliche Angaben über die Arbeit des Vereins.
Aus Erzählung ist bekannt, dass dann ein Gemeindeglied namens
Wissner eine gewisse Zeit Singstunde gehalten hat. Anzunehmen
ist auch, dass „Musikdirektor“ Leutner, Leiter des Posaunenchores,
zeitweilig den „Singchor“ geleitet hat.

Verlässlichere Daten gibt es wieder zu Beginn der 20er Jahre des
20. Jahrhunderts. Nach Ende des ersten Weltkrieges, nachdem sich das
Leben wieder normalisiert hatte, schlossen sich junge Männer zu einem
Männerchor zusammen. Die Leitung hatte Heinrich Schubach aus
Allertshausen. Mitte 1920 war dann auch wieder der „Singchor“ tätig.
Er wurde geleitet von Heinrich Leutner.
Daran konnte sich der Chronist noch gut erinnern,
das war in den 30er Jahren.

Mit Ausbruch des Krieges 1939 ruhte die kirchenmusikalische Arbeit
total. Sänger, Bläser, Organist Leutner und sein Bruder Friedrich Leutner,
Leiter des Posaunenchores, mussten ihr Leben in einem unsinnigen Krieg
lassen.

Am 8. Mai 1945 war endlich der langersehnte Frieden in unserem Land
eingekehrt. Nach einer Zeit der Unsicherheit, des Abwartens und des
Wartens, dass die Kriegsteilnehmer wieder zu ihren Familien zurückkehrten,
begann im Sommer 1945 wieder allmählich ein normales Leben in der
kirchlichen Arbeit.

Durch Flucht und Umsiedlung kamen aus dem Osten Deutschlands sowie aus dem
Wartegau viele Menschen zu uns. Darunter auch Pfarrer Johannes Forchheim
mit seiner Familie. Schon im Sommer 1945 sammelte er junge Leute um sich
und begann mit Chorarbeit. Am Reformationsfest konnte der Chor zum ersten
Mal im Gottesdienst singen: „Es lag in Nacht und Graus die Erde“,
Satz H.G. Nägeli, Text Georg Geßner.

Pfarrer Forchheim leitete den Chor recht erfolgreich bis 1947.
Er nahm dann einen Ruf unserer Kirche an und verzog, sehr zum Bedauern
der ganzen Gemeinde.

Im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 27.April 1947 lesen wir unter
4. Verschiedenes:
„Da durch den Umzug von Herrn Pfarrer Forchheim unser Kirchenchor seinen
Dirigenten verloren hat, so soll versucht werden einen neuen zu gewinnen,
damit der Chor, der einen schönen Anfang genommen hat, nicht eingeht.
Die Gemeinde beschloss, wenn nötig, die Kosten für den Chorleiter zu
bezahlen.“

Ein neuer Chorleiter wurde gefunden. Herr Wilhelm Nuhn aus Climbach
erklärte sich bereit, den Chor zu übernehmen, 1,50 RM je Singstunde und
Auftritt. Herr Nuhn leitete den Chor bis Sommer 1948.

Unter dem Einfluss und mit Unterstützung von Herrn Hörschelmann übernahm
dann Frau Klose die Chorleitung. Herr Hörschelmann betreute zu dieser Zeit
die hessischen Chöre. Er wohnte auch einige Zeit im Jugendheim in Climbach.
Zusammen mit Herrn Hörschelmann veranstaltete unser Chor einige Liederabende,
zum Teil in unserer Kirche, aber auch in der Landeskirche.

Mit Frau Klose sang der Chor, wie zu der Zeit üblich, an allen Feiertagen
im Gottesdienst. Das war dann auch die Zeit, in der Paul Kretzschmar mit
seiner Bereisung der Kirchenchöre in unserem Bereich begann. Seine Art des
Umganges mit den zumeist jungen Sängerinnen und Sängern fand den Beifall
des Chores, sodass man sich die Betreuung durch ihn wünschte.

1949 stellte der Kirchenchor den Antrag, jährlich eine Kollekte am Sonntag
Kantate für den Chor zu sammeln. Dem stimmte die Gemeinde zu: je zur Hälfte
sollte die Kollekte an Kirchenchor und Posaunenchor gehen.

1950/51 gab es wieder einen Wechsel des Chorleiters. Frau Klose gab
den Taktstock weiter an Helmut Schneider, der nun beide Chöre musikalisch
betreute.

Paul Kretzschmar kam nun öfters nach Allendorf, um mit den Chören zu üben.
Er gab auch Notenhefte heraus, so dass wir mit neuem Material gut versorgt
waren. Helmut Schneider übte mit dem Chor diese neue Literatur fleißig ein.

Zu dieser Zeit kamen die Sängerinnen und Sänger nicht allein aus Allendorf,
sondern auch eine Anzahl kam aus Climbach. Damit diese nicht immer den Weg
nach Allendorf machen mussten, war einmal im Monat in Climbach Singstunde.
Motorisiert war da noch niemand, es ging auf Schusters Rappen.

Helmut Schneider war bis 1955 Dirigent des Kirchenchores. Zwei Chöre waren
ihm dann zu viel, und er gab den Kirchenchor ab.

Weitere Dirigenten:
1956 bis 1981 Karl Merkel
1981 bis 1992 Kurt Schneider
1993 bis 1998 Regine Imig
1998 bis         Kurt Schneider

(Text: Karl Merkel)