Zionsgemeinde Allendorf (Lumda)

Friedensnobelpreis vor 25 Jahren: Mutter Teresa rettete Ausgestoßenen und Sterbenden ihre Menschenwürde

Schwester Teresa unterrichtete Erdkunde an der St. Mary’s High School in Kalkutta.
Die 500 Schülerinnen kamen aus der schmalen bürgerlichen Oberschicht Kalkuttas.
Aber gleich hinter der High School erstreckte sich ein riesiger Slum.
Schwester Teresa durchstreifte ihn öfters mit ein paar Schülerinnen,
ausgerüstet mit Jod und Verbandszeug, half, wo sie konnte – und wusste,
dass das nicht genügte.

Mit 36 Jahren fasste sie 1946 den Entschluss, noch einmal auszusteigen:
„Ich musste das Kloster verlassen und den Armen helfen, indem ich unter
ihnen lebte.“ Mit ehemaligen Schülerinnen gründete sie die Missionaries
of Charity („Missionarinnen der Nächstenliebe“). Inzwischen sind auch Europäerinnen,
Amerikanerinnen, Afrikanerinnen dabei. Sie lernen grundsätzlich einen Beruf,
manche studieren Medizin, einige Jura “ alles, um den Armen besser helfen
zu können.

Was war das Geheimnis dieser kleinen, aber energiegeladenen Frau?
Sie hatte zu Gott eine Beziehung wie ein Kind zu seinem Vater. Sie fand
ihn nicht in philosophischen Weltmodellen oder mystischen Erlebnissen,
sondern hautnah in jedem Menschen, der ihr über den Weg lief.
Ihre leidenschaftliche Liebe zu den Armen und Kraftlosen war die
Antwort auf eine Liebe, die sie selbst spürte und von der sie lebte.
Love as I loved you, „liebe, wie ich dich geliebt habe“, steht unter
dem Kreuz in ihren Obdachlosenhäusern.

In den ersten 25 Jahren holten die Missionaries allein in Kalkutta
36000 todkranke Menschen von der Straße in ihre Häuser. Mehr als 16000
starben – liebevoll gepflegt und umsorgt. Ein paar Stunden oder Tage
menschliche Zuwendung, Wärme, ein Lächeln nach einem freud- und trostlosen Leben.
Für Teresa war das keine sinnlose Mühe: „Sie haben wie die Tiere gelebt.
Da sollen sie wenigstens wie Menschen sterben!“

Als sie 1979 den Friedensnobelpreis überreicht bekam, hielt sie in der Aula
der Universität Oslo dem Westen eine beschämende Predigt: „Wenn Sie den
Armen den Rücken zuwenden, so wenden Sie ihn Christus zu. Er hat sich
selbst zum Hungrigen gemacht, zum Nackten, zum Heimatlosen, so dass Sie
und ich Gelegenheit haben, ihn zu lieben!“
Teresa starb am 5. September 1997 kurz nach ihrem 87. Geburtstag im
indischen Kalkutta.
Christian Feldmann

Info: Ein ausführliches Lebensbild hat Autor Christian Feldmann
in der Taschenbuchreihe Herder-Spektrum unter dem Titel
„Mutter Teresa – Die Heilige von Kalkutta“ veröffentlicht.