Zionsgemeinde Allendorf (Lumda)

Geschichte

Geschichte der Gemeinde

Die Evangelisch-Lutherische Zionsgemeinde Allendorf (Lumda) entstand in Folge einer Erweckungsbewegung im Nassauischen Land durch das Wirken von Pfarrer Friedrich Brunn, der 1846 in Steeden (Lahn) mit zahlreichen Gemeindegliedern aus der unierten Kirche von Hessen und Nassau ausgetreten war und eine eigene lutherische Gemeinde gegründet hatte.

Pfarrer Brunn wirkte über Steeden hinaus, so dass es durch seine Verkündigung im Umland zur Erweckung und lutherisch-konfessioneller Bewusstwerdung kam. In Klein-Linden bei Gießen traten im Jahr 1859 einige Gemeindeglieder aus der Landeskriche aus und schlossen sich dieser lutherischen Erweckung an.

1869 gelangte Pfarrer Brunn auch nach Allendorf (Lumda), wo es 1875 zur Gründung einer Gemeinde kam, die 1878 in die Lutherische Freikirche aufgenommen wurde. 1882 erfolgten der Bau der Pfarrwohnung und die Weihe der ersten Kirche.

Die erste Kirche

Diese Kirche wurde im Laufe der Zeit zu klein, so dass eine neue Kirche gebaut werden musste, die 1950 geweiht wurde.

Eine Postkarte aus der Zeit nach 1950

Im Zuge des Baus eines Gemeindezentrums (1975 abgeschlossen) wurde die Kirche nochmals erweitert. Seit 1976 bildet die Zionsgemeinde zusammen mit der Bethlehemsgemeinde Grünberg einen Pfarrbezirk in der SELK (Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche).

1936 wird in Klein-Linden eine Kapelle erbaut, die 1944 durch Bomben zerstört wird. Eine neue Kapelle entsteht 1956, eine Erweiterung um zwei Gemeinderäume, Teeküche und WC erfolgt 1974.


Tabellarische Geschichte der Ev.-Luth. Zionsgemeinde Klein-Linden und Allendorf (Lumda)

zusammengestellt aus „Geschichte der Ev.-Luth. Zionsgemeinde Allendorf/Lda von der Entstehung bis zum Jahre 1963“, hrsgg. von Pfr. i. R. Hermann Stallmann im Juni 1969 sowie Gottfried Hermann: Luth. Freikirche in Sachsen; Berlin 1985 von der Unterrichtsgruppe 9. und 10. Schuljahr 2002

1846 in
Steeden
(Lahn)
Erweckungsbewegung im Nassauischen Land durch das Wirken von Pfarrer Friedrich Brunn, der mit zahlreichen Gemeindegliedern aus der unierten Landeskirche von Hessen und Nassau ausgetreten war und eine eigene Lutherische Gemeinde gegründet hatte. Pfarrer Brunn wirkte über Steeden hinaus, so dass es durch seine Verkündigung im Umland zur Erweckung und lutherisch-konfessioneller Bewusstwerdung kam (1849 Gründung der Gemeinde Steeden)
1859 traten in Klein-Linden bei Gießen einige Gemeindeglieder aus der Landeskirche aus und schlossen sich dieser lutherischen Erweckung an
Seit Juli
1875
Gottesdienste im Hause Kraushaar (später Chorleiter)
1885 Gottesdienste im Haus des Schneidermeisters Adolph in der zur Kirchstube umgeräumten Werkstatt, später bei Wilhelm Lenz und Heinrich Adolph jun.
etwa 1861 Christliche Familien und Freunde treffen sich in Allendorf (Lumda) in Häusern, um lutherische Predigten zu lesen und über Gottes Wort zu sprechen. Bei dem rationalistischen Ortspfarrer Engel fanden sie keine Erbauung und Nahrung für ihre Seelen, gehen zu auswärtigen gläubigen Pfarrern in der Nähe und zu Missionsfesten nach Steeden (Abordnung von Zöglingen für die Lehranstalt in USA-Missourisynode) (vermutlich auch Reisen zu Missionsfesten nach Hermannsburg zu Louis Harms)
Verunglimpfungen durch Pfr. Engel, verschiedene Auseinandersetzungen, keine Austrittsbestrebungen, sondern Wahrung und Geltung des lutherischen Bekenntnisses gewünscht. Auch in Allendorf war die lutherische Agende von 1574 abgeschafft und die neue unionistisch-reformierte eingeführt worden
1869 besuchte Pfarrer Brunn auch in Allendorf (Lumda) lutherisch gesinnte Christen
1874 Auf Betreiben des Staates wurde eine neue Verfassung der Evang. Landeskirche im Großherzogtum Hessen-Darmstadt erlassen (Einführung der Kirchenunion, lutherische Lehre, -Predigt und -Unterricht sollten verdrängt werden). 114 lutherische Pfarrer legten Einspruch ein. Der Protest wurde abgelehnt.
1875
28. Mai
Eine Erklärung von 15 Allendorfern an das Großherzogliche Oberkonsistorium des Inneren in Darmstadt wurde verfasst (Austrittserklärung aus der Evangelischen Kirche ?) Versorgung erfolgte von Steeden aus
1875 Gründung einer Gemeinde, formal Zugehörigkeit zur Ev.-Luth. Kirche im früheren Altpreußen – „Altlutheraner“; Treffpunkt: Kirchsaal in der Treiser Straße … (das Haus wurde später abgerissen)
04. Juli
Einführung von Pfarrer Albin (Alwin?) Wagner (vermittelt durch Pfr. Brunn in Klein-Linden ?)
1876
15. Sep.
Planung und Bau eines Betsaals in der Marktstraße …, 1. Etage (zwischen den Häusern Heinrich Lotz und Wagner, später Wohnung der Fam. Rein)
1877
15. Juli
Betsaal eingeweiht von Präses Ruhland aus Planitz
11.3.1877 Pfr. A. Wagner legt sein Amt nieder, 1877-1882 Pfr. an der Gemeinde der Immanuelsynode in Gießen (versorgt den Rest von Klein-Linden, Gedern, Allertshausen; Pfr. Brunn versorgt wieder Allendorf). Stallmann: „Nach schweren Kämpfen, auch untereinander, nach mancherlei Spaltungen und nach herben Enttäuschungen an Seelsorgern konsolidierte sich die Gemeinde. Im Streit um das Schriftverständnis verließ Pfr. Albin Wagner die Gemeinde.“
1877
17. Juli
Anschluss an die „Evangelisch-Lutherische Freikirche in Sachsen und anderen Staaten“
1878
6. Okt.
Einführung von Pfr. Heinrich-Zacharias Stallmann durch Pfr. Brunn
1879 Pfr. Stallmann heiratet Ida Brunn, die Tochter von Pfr. Brunn
1880
14. März
„Musikverein der ev.-luth. Zionsgemeinde zu Allendorf/Lumda und Klein-Linden“ wird gegründet, Posaunenchorleiter: Kraushaar aus Klein-Linden (Kontakte nach Steeden)
1881 „Gesangsverein der ev.-luth. Zionsgemeinde zu Allendorf/Lumda und Klein-Linden“ wird gegründet, Chorleiter: Karushaar aus Klein-Linden
1881 Nach Verzögerung durch den Bürgermeister der Gemeinde Allendorf/Lumda, Wilhelm Friedrich Karl Bieber (1874-1890), wird von der hessischen Regierung die Rechtsfähigkeit erteilt (bedeutet ?)
Pfarrer wohnte in dem Bingel’schen Haus in der Brunnengasse (Borngasse ?)
Am östlichen Ortsausgang wurde von einem Juden ein Acker gekauft
1882 Bau von Kirchsaal und Pfarrwohnung (unter einem Dach) in der heutigen Friedhofstraße
24. Sept.
Einweihung der ersten Kirche (viele Spenden von Verwandten aus Amerika)
1883 Orgelweihe
1884 Der Gemeinde werden die Rechte als juristische Person vom Großherzog von Hessen-Darmstadt erteilt
1900 ? Gründung des Frauenvereins
1913 –
1918
Von 75 Männern mussten 50 in den 1. Weltkrieg, 8 kamen nicht zurück
1928 Jungmännerbund gegründet (Eintragung beim Amtsgericht), Heinrich Conrad schenkte einen Bauplatz in Climbach
1928
21. Okt.
Einweihung Jugendheim Climbach
1933 Auflösung des Jugendvereins durch die Nazis
1936 Kapelle in Klein-Linden an der Wetzlarer Straße (Grundstück von Frau Lenz, USA, geschenkt)
1936 Pfarrhausbau Allendorf (letztes Allendorfer Haus als Feldbrand)
1937 Einzug
1944
6. Dez.
Kapelle in Klein-Linden wird durch Bomben zerstört
Opfer im 2. Weltkrieg: 23 Männer
1948 Kirchengemeinschaft zwischen Ev.-Luth. Freikirche, Altlutheranern und alter SELK
1949 Planung der neuen Kirche von Oberbaurat Martin Stallmann
Errichtung der neuen Kirche über der alten Kirche
1950
9. Juli
Neue Kirche in Allendorf geweiht durch Präses Eikmeier
1955 Verleihung der Körperschaftsrechte durch das Land Hessen
1956 Neue Kapelle in Klein-Linden gebaut von Oberbaurat Martin Stallmann
1962
4. März
Weihe der drei Glocken in Allendorf: – dis – fis – gis – gegossen von der Fa. Rincker in Sinn
1962 Neue Inneneinrichtung der Kirche: Taufstein, Altar und Kanzel aus Marmor
1963 Pfr. Hermann Stallmann geht in den Ruhestand, Pfr. Wolfgang Kühn wird berufen
1966 Neue Orgel, erbaut von der Orgelbaufirma Böttner in Frankenberg
1969 Kapelle Kleinlinden wird erweitert um zwei Gemeinderäume, Teeküche und WC durch Oberbaurat Martin Stallmann
1972 Planung für ein Gemeindezentrum in Allendorf durch Oberbaurat Martin Stallmann
1975
23. März
Einweihung des Gemeindezentrums und der Erweiterung und Renovierung der Kirche
1976 Bethlehemsgemeinde Grünberg wird vom Pfarrbezirk Allendorf aus versorgt
19.. Beteiligung am Weltgebetstag aller Konfessionen (Frau Willner – Frau Kühn)
1986 Verein für Häusliche Kranken- und Altenpflege wird von den vier christlichen Gemeinden gegründet
1998 Gemeinsames Gedenken an die Reichspogromnacht vor 60 Jahren auf dem jüdischen Friedhof Allendorf
1999 Gemeinsame Bibelstunden mit der Evangelischen Kirchengemeinde
Pfarrer der Gemeinde
1875-
1877
Albin (Alwin) Wagner
1877-
1878
Friedrich Brunn versorgt 1 1/2 Jahre Kleinlinden und Allendorf von Steeden aus
1878-
1896
Heinrich Zacharias Stallmann, dann Berufung nach Groß-Oesingen, dort 1901 das Amt niedergelegt, wohnte danach ein Jahr in Steeden
1896-
1902
Karl zum Hagen (aus USA, krank, zur Genesung nach Deutschland, legt gesundheitshalber sein Amt nieder)
1902-
1919
Heinrich Z. Stallmann (mit 72 Jahren emeritiert)
1919-
1925
Otto Schmeckenbecher (Schwiegersohn von H. Z. Stallmann)
1925-
1963
Hermann Stallmann
1963-
1990
Wolfgang Kühn
1990-
1993
Thomas Warneck
1993-
2007
Hans Georg Walesch
2007- Norbert Rudzinski
Vikare

Michael Zettler, Peter-Matthias Kiehl, Johannes Schiller, Johannes Godduhn, Henning Scharff, Achim Behrens

Pfr. coll.

Klaus-Peter Kässner, Jörg Rücker