Zionsgemeinde Allendorf (Lumda)

Warum lutherisch?

»Warum gibt es in Allendorf und anderswo eine weitere Evangelische Kirche neben der Landeskirche?« – Diese Frage haben sich und uns schon viele Menschen gestellt.

Die Selbständig Evangelisch-Lutherische Kirche hat ein Selbstverständnis, das wir hier zur Beantwortung dieser Frage veröffentlichen.

Am 31. Oktober feiern wir in jedem Jahr den Reformationstag. Dieser Gedenktag allerdings ist aus der Mode gekommen. Als ich noch zur Schule ging, hatten wir bis auf einen Schülergottesdienst frei. In früheren Jahrhunderten war dies für die Protestanten ein herausragender Feiertag. Heute bieten nur noch wenige Gemeinden Gedenkfeiern oder Gottesdienste an. Oft wird die Erinnerung an Reformation als ein Hindernis für die Ökumene beiseite geschoben. Die meisten Menschen wissen nicht viel von den Unterschieden der Konfessionen, ein Verständnis für verschienen christliche Kirchen ist selten zu finden. Vielmehr wird die Frage nach einer christlichen Welt-Einheitskirche diskutiert und weitergehend nach einer Welt-Einheitsreligion, in der sich Christen, Moslems, Juden, Hinduisten, Buddhisten usw. wiederfinden können. Angesichts der Feindschaft unter den Religionen ist das sicherlich eine begründete Sehnsucht von Menschen. Es gibt sogar die phantastische Idee, sämtliche Religionen abzuschaffen, damit endlich Friede auf dieser Erde wird.

Aber zurück zu Luther, auf den sich doch noch einige Kirchen berufen.
Ist es zeitgemäß, ihn aus Traditionalismus als einen großen Deutschen zu ehren, als Sprachschöpfer, Befreier oder Revolutionär? Ist es recht, wenn man zu ihm aufsieht, in Bronze gegossen auf einem Podest stehend, wie ein Sieger über Kaiser und Papst, Gesetze, Ordnungen und die Bannbulle, der alles zerschmeißt, was sich ihm in den Weg stellt: »Hier stehe ich, ich kann nicht anders!«?

Zum einen: Martin Luther war kein Held, dazu haben ihn andere gemacht und missbraucht, einen Kult um seine Person getrieben und den Menschen geehrt. Zum Ende seines Lebens sagte er: »Wir sind Bettler, das ist wahr.«

Zum anderen: Es ging Luther nicht um seinen Namen, er hat ihn nicht auf die Fahnen der evangelischen Bewegung geschrieben, ja er sagte über sich, dass er so unbedeutend sei wie ein alter Madensack, der bald in der Erde liege und von den Würmern zerfressen werde.

Was liegt dann also an Martin Luther?
Er hatte in seiner Zeit und Welt neu erkennen dürfen, was zentrale Wahrheit ist. Ihm wurde die Befreiung geschenkt aus unsagbaren inneren Nöten, Selbstzweifeln und Qualen. Ihm wurde es gegeben, aus dem natürlichen menschlichen Egoismus auszubrechen, der sich auch noch vor Gott selbst behaupten und selbst rechtfertigen will.

Das will ich mit den vier Stichworten kurz zusammenfassen:

SOLUS CHRISTUS – Es geht allein um Christus. Nur der menschgewordene Gott, Jesus von Nazareth, zeigt uns die Liebe des Vaters. Nur durch seinen Opfertod am Kreuz gibt es Vergebung der Sünden, Erlösung vom Tod und neues Leben. Er ist das Zentrum alles Lebens, der kirchlichen Verkündigung und der persönlichen Frömmigkeit.

VERBO SOLO – Allein durch das Wort Gottes spricht der allmächtige Vater im Himmel zu uns Menschen und offenbart uns seinen Willen und seinen Weg zum ewigen Heil. Jesus Christus redet zu uns und dadurch hören wir den Vater selber sprechen. Der Heilige Geist eröffnet uns die Bibel als das lebendige Wort Gottes an uns persönlich.

SOLA GRATIA – Allein durch die Gnade Gottes bekommen wir die freundliche Zuwendung Gottes geschenkt. Kein Mensch, und sei er noch so fromm, kann seine Gerechtigkeit vor Gott durch gute Werke erarbeiten. Das ganze Heil gibt Gott dem Menschen umsonst.

FIDE SOLA – Allein durch den Glauben empfangen wir, was Jesus Christus für uns mit seinem Leben und Sterben und Auferstehen erworben hat. Der Glaube ist die ausgestreckte Hand des Bettlers, der zum letzten Strohhalm greift, um nur gerettet zu werden. Wer sich ganz und gar auf Jesus Christus verlässt, der ist auf dem Weg zum Leben, wer ihm von Herzen vertraut, der hat die Wahrheit.

Denksprüche von Martin Luther

Gott zum Freund haben ist ja tröstlicher, denn aller Welt Freundschaft haben.

Die Barmherzigkeit Gottes ist wie der Himmel, der stets über uns fest bleibt. Unter diesem Dach sind wir sicher, wo auch immer wir sind.

Ich habe heute viel zu tun, darum muß ich heute viel beten.

Es ist auf Erden kein klareres Buch geschrieben als die Heilige Schrift; sie ist gegenüber anderen Büchern wie die Sonne im Vergleich mit jedem anderen Licht.

Gott ist ein glühender Backofen voller Liebe, der von der Erde bis an den Himmel reicht.

Kurz soll man beten, aber oft und stark.

Unser Leben ist nicht eine Frommheit sonder ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sonder ein Gesundwerden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber.

Es soll uns fürwahr nichts fröhlicher sein in der Schrift als dies, dass Christus geboren ist von der Jungfrau Maria. Gold, Freunde, Macht und Ehre können uns nicht so erfreuen wie die fröhliche Geschichte, daß Christus menschgeboren ist.

…………. darum lutherisch!

Ihr Pfarrer Norbert Rudzinski